Geschichten über das Sternendämmertal...
Auszug aus "Die Geschichte Cildor Gelebrens"
von Ellaer Anûfalas, Nan-eldúne
"Vor langer Zeit zogen die fünf alten Häuser unseres Landes aus, eine neue Heimat zu finden. Warum sie das taten und die unsterblichen Lande verließen, nun dies ist eine andere Geschichte. Doch sie taten es und fanden im Nordmeer der heutigen allgemein bekannten Welt ein neues Zuhause. Dort besiedelten sie zwei magische Inseln, die in der anderen Welt liegen. Sie nannten die eine Insel Sternendämmertal, die andere Insel Aurerijahr und gründeten dort ein neues Elbenreich. Die Inseln waren voller magischer Kraft, welche das Land, die Pflanzen und die Tiere durchfloss, was das Leben dort dem Leben in der alten Heimat in den unsterblichen Landen ähnlich machte. Lange lebten wir dort glücklich und zufrieden. Die Elbenvölker der ganzen bekannten Welt waren unsere Gäste, denn auf diese Inseln hatte kein Wesen ohne elbisches Blut in den Adern je seinen Fuß auf den Boden gesetzt. Hier herrschten und lebten wir Elben und hatten unseren Platz in der anderen Welt gefunden. Das Land war rein und die Kräfte der Elben konnten in ebensolcher Reinheit mit dem Land verwoben werden.
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Nur von wenigen Orten wie diesen wussten die verschiedenen Elbenvölker, die unsere Gäste waren, zu berichten. Lange und stetig blühten die Inseln zu Rückzugsorten elbischer Kultur auf. Die verschiedensten Elbenvölker trafen sich an diesem Ort der Ruhe. Viele wichtige Entwicklungen der anderen Welt wurden besprochen, diskutiert und auf den Weg gebracht. Die Oberhäupter der fünf Häuser, welche den Rat der Inseln bildeten, leiteten die Geschicke unseres Volkes und sie taten es gut. Die elbische Kultur, die Zeremonien, Rituale und Feierlichkeiten wurden gepflegt und zu großer Reinheit und Güte verfeinert.
Doch auch unsere Heimat, welche wir hier gefunden hatten, blieb in den Wirren der Zeit nicht unberührt. Denn mit dem Erstarken der Zweitgeborenen erwachte ein alter Feind. Und der Schatten erhob sich, um uns zu vernichten. Nicht länger konnten wir den Kriegen entgehen. Viele Geschichten erzählen von den Motiven und Gründen des Schattens, doch nur wenige kennen die Wahrheit. Der Schatten selbst ist nicht mehr als das. Ein Schatten, ein Gefühl, eine Motivation. Er ist nichts ohne das Leben. Doch verzehrt sich jedes Leben rasch unter der Herrschaft des Schattens. Wir, die Elben, sind jedoch unsterblich und die Magie der Inseln stärkte unsere Kraft. Dies blieb dem Schatten nicht verborgen. Er wollte die Insel und unser Volk unter seine Herrschaft zwingen, um wiedergeboren und unsterblich zu werden, so wie wir Elben es seit jeher sind. Doch wir waren bereit uns zum Kampf zu stellen. Unsere Heimat war in Gefahr, unser Volk und unsere Lebensweise. Würde der Schatten obsiegen, würde alles, was wir gewesen waren, verwelken. Auch die Elben von Aurerijahr rüsteten sich zum Kampf.
[...]
Doch schließlich mussten wir erkennen, dass unser Volk unterliegen würde und damit alles, was wir über die elbische Kultur gesammelt und bewahrt hatten, vernichtet werden würde. So kamen die Elben der Inseln zusammen, und wir berieten über unsere Lage. Was sollte aus den Inseln werden, wo sollte unser Platz in der Zeit der Finsternis sein...? So viele Oberhäupter es gab, so viele Meinungen gab es dazu. Ein jeder folgte seinem Herzen und lange schien es, als gäbe es keine Einigung. Doch in Zeiten großer Umbrüche wissen wir Elben, dass Entscheidungen nicht mit zu langem Atem ausgetragen werden können. Diese Zeit damals war eine Phase der großen Umbrüche. Und aus den vielen unterschieden Aspekten kristallisierten sich zwei Grundthemen hervor. Einige der Oberhäupter wollten mit ihren Brüdern und Schwestern auf den Inseln ausharren und das Land mit allen Kräften verteidigen. Andere Oberhäupter waren dafür, das Land selbst vor den Augen des Schattens zu verstecken.
[...]
Denn das Land und die Bewohner konnten nur versteckt werden, wenn eben alles von dieser Welt entrückt würde. Wenn keine offenen Zugänge mehr existieren. Doch wie sollte solch ein mächtiges Ritual von statten gehen? Wie sollte die gewaltige Menge an magischer Energie gelenkt werden? Es mussten sicherlich alle Elben ihre Kraft hinzugeben, doch mussten es wenige leiten und kanalisieren. Also begannen sie die Kraft der einzelnen Elben zu erforschen. Wie stark war jeder einzelne, was konnte jeder beisteuern und noch wichtiger - wer konnte solch immense Kraft aufnehmen und lenken? Wieder einmal standen die Elben der Inseln vor einer schwierigen Aufgabe. Doch jeder fühlte, daß dies der richtige Weg war und dieses Wissen half ihnen, in der Zeit, in der der Schatten immer stärker wurde, ihre Zuversicht zu behalten und mit großer Beharrlichkeit weiter zu forschen. Da alles Leben selbst durch die Melodie erschaffen wurde, lag es am nächsten, alles Leben damit zu beschreiben. Alle Elben, Pflanzen, Tiere. Selbst die kleinsten Bestandteile und die elementaren Kräfte, aus denen alles Leben bestand, mussten sorgfältig beschrieben und in die Grundschwingungen gefasst werden. Das Wesen aller Dinge musste beschrieben werden. Denn sollte die Beschreibung des Rituals nicht sorgfältig genug gewesen sein, bestand die Gefahr einen wichtigen Bestandteil des neuen Reiches zurück zu lassen und das würde die zu einem Zusammenbruch führen. Jeder Elb steuerte seine ganze Kraft dazu bei, dass nichts vergessen wurde.
[...]
Als diese letzte große Vorbereitung abgeschlossen war, kam die Zeit der Entrückung. Gewaltige magischen Energien flossen durch das Land, die Harmonie der Häuser entfachte noch ein Vielfaches mehr an Kraft, als man erwartet hatte, sodass die Oberhäupter ihre ganze Konzentration brauchten, die Energien zu lenken, doch am Ende spürten sie eine Erschütterung und das ganze Land entrückte aus der Welt.
Zurück blieb eine leere Hülle des Sternendämmertals: sie verlassene Insellandschaft, Reste von unseren Bauten, Abdrücke unserer Spuren in Sand, auf Fels und im nassen Gras. Das zurückgelassene Land schien für kurze Zeit den magischen Gewalten zum Opfer zu fallen und auseinander zu brechen, doch die Risse schlossen sich... und die Wunden würden schnell heilen."
Mereth Govadad - das Fest der Zusammenkunft in Nan-elmoth
von Larwaew Annûfalas
Lange Zeit nachdem die Elben die Stadt wieder aufgebaut hatten, kamen über die alten Wege andere Elben. Das Zusammenleben gestaltete sich am Anfang schwierig, denn die Sitten und Gebräuche unterschieden sich stark voneinander. So beschlossen die Oberhäupter der Häuser etwas zu tun, das dazu führen würde, dass die Elben näher zueinander kommen konnten.
Die Gelehrtesten unter ihnen setzten sich zusammen und sucht nach den Gemeinsamkeiten der Elben. Jedes Elbenvolk hatte viele verschiedene Feste, Gebräuche, Traditionen und Riten. Und so verging einige Zeit bis die Gelehrten bei allen anwesenden Völkern den gemeinsamen Kern gefunden hatten.In allen Völkern war es Brauch, dass sich die Stämme, Familien, Sippen und Häuser trafen, um über die wichtigsten Angelegenheiten des Volkes zu beraten. So unterschiedlich auch die Ausgestaltung war, war dies doch die Essenz. Deswegen wurde beschlossen, dass in Aseran'ost mindestens einmal im Jahr die Anführer der Häuser und Familien sich zusammenfinden würden, um über die Probleme und Geschicke der Stadt zu reden.
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Doch sollten auch jene, die nicht den Häusern angehörten, oder in der Stadt ein besonderes Ansehen genossen an der Zusammenkunft beteiligt werden. Aus diesem Grunde wurde gleichzeitig außerhalb der Stadt ein großes gemeinsames Fest ausgerichtet. Dort bei diesem Fest waren alle Elben gleich, egal welcher Herkunft oder welchem Stand.
Dies führte im Laufe des ersten Jahrhunderts dazu, dass sich die unterschiedlichen Elbenvölker annäherten. Auch diesem Fest ist es zu verdanken, dass es daraufhin schon bald zu den ersten Ehen zwischen den Elben in Oberstadt und Unterstadt geschlossen und ein Rat der Stadt gebildet wurde. Einen Rat der über die Geschicke der Stadt wachte und der doch offen war für alle Bewohner der Stadt und deren Anliegen. Noch heute wird einmal im Jahr ein gemeinsames Fest außerhalb der Stadt gefeiert. Ein Andenken an jenes erste gemeinsame Fest, dessen Wurzeln bei allen Völkern ihren Ursprung hatten. Auch wenn dieses Fest nur nicht mehr diese Bedeutung hat.
Die Zeit verging und die Bewohner der Stadt erfuhren, dass diese große Insel nun von vielen Elbenvölkern als Heimat auserwählt worden war. Und auch einige aus der Stadt waren hinaus gezogen und hatten andere Elben und andere Elbenvölker kennen gelernt. So erinnerte man sich an das Fest der Zusammenkunft und beschloss, dieses Fest zu nutzen, um auch mit anderen über die Belange der Elbenvölker, über alte und neue Bande, über Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten und über den Wandel der Zeit miteinander zu reden. Sich einzufinden als Gleiche unter Gleichen.
So wurden über die Insel und darüberhinaus Einladungen verschickt. Einladungen an Elben und Elbenvölker, mit denen man Kontakt hatte oder sich Kontakt wünschte.
Da sich bei dieser Zusammenkunft Elben trafen, die in vielen Dingen sich unterschieden, gab es viel Raum für Freiheiten. Und doch wurde des Fest mit einem Rahmen versehen, um nicht Belanglos zu werden.
Zu jener Zeit, da das Fest das erste Mal ausgerichtet wurde, gab es einen Sprecher der Oberstadt. Dieser war auch der Gastgeber des Festes und sandte die Einladungen aus. Um niemanden zu vergessen und zu beleidigen, wurde der Sprecher der Unterstadt gebeten, ebenfalls als Gastgeber zu fungieren und seiner seits Elben einzuladen. So sollte sichergestellt werden, das aus allen Völkern die wichtigsten Vertreter anwesend sein würden ohne das ein Elb den anderen gegenüber höher gestellt wäre.
Der Ablauf der Zusammenkunft sollte ebenso aufzeigen, dass alle Elben aus jedem Volk gleichgestellt sind. So übergab jede Delegation eines Elbenvolkes bei seiner Ankunft den Gastgebern eine Schriftrolle. Auf dieser Rolle wurde festgehalten, über welches wichtige Thema diese Elben reden würden. Alle Schrfitrollen wurden in einem Gefäß gesammelt. Erst nachdem alle Eingeladenen anwesend waren und ein wenig Zeit hatten sich zu sammeln, wurde nach und nach aus diesem Gefäß die Schrfitrollen gezogen.
Jede Delegation war nun angehalten, sobald ihre Schriftrolle gezogen worden war, als Wortführer zu fungieren. Doch sollte es nicht nur um die Themen auf den Rollen gehen. Bei dem ersten Fest der Zusammenkunft also, war der Sprecher der Oberstadt derjenige, der begann. Zuerst stellt sich das Volk vor. Berichtet von der Vergangenheit des Volkes. Von Riten und Bräuchen, von Freunden und Feinden. Jeder Gast durfte Fragen stellen. Erst nachdem sich die Anwesenden ein Bild von dem Volk machen konnten, wurde über das eigentliche Thema gesprochen.
Hier ging es bei den ersten Festen um Probleme und Missverständnisse innerhalb von Aseran'ost. Später dann um Bündnisse und gemeinsame Ziele, während die Stadt ausserhalb der Stadtmauern gemeinsam feierte.
So wuchsen die Völker der Elben nan-emoths innerhalb Aseran'osts zusammen.
Lied des letzten Elben
von Calenlyra o nan-eldúne silmeié
Mein Herz will in die Ferne schweben
durch's Tausendgrün von Eldamar
die Dunkelheit umfängt mein Leben
legt sich um das, was einmal war.
Arda hat den Glanz verloren
der ihr Antlitz einst umspielt
Das Zwielicht liebt, wer zweitgeboren,
Elendils Licht war, was mich hielt.
Zu viele wandten sich zur Reise
oder starben voller Schmerz
die Einsamkeit flüstert mir leise
Valinors Ruf ins müde Herz
Nur mein Blut und die Gefährten
binden mich an diese Welt
ich folge nicht den alten Fährten
auch wenn mein Herz die Jahre zählt
In ferner Zukunft reißt das Band
ich steh' am Ufer unter Weiden
ein weißes Schiff verlässt das Land
Der Lebensbaum besingt mein Scheiden...
Ein sanfter Wind trägt mich ins Licht
das Menschenauge sieht mich nicht
so kennt die Reise keine Rast
das Elbenvolk ist nun verblasst
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Das Lied der Sterne
von Ellaer Annûfalas (nach der Entrückung)
Leise blickt mein Herz zum Himmel,
leicht erleuchtet ist die Nacht.
Über mir der Sternen Schimmer,
bringen Kunde von der Wacht.
Hoch dort oben klingen Töne,
singen von vergangner Zeit
Sanft ich ihre Lieder höre,
öffne der Melodie mich weit.
Bringen Kunde von den Zeiten,
da das Volk voll Freude war.
Singen Lieder von den Orten,
als der Schatten kam uns nah.
Keine Tat ist je vergessen,
jedes Tun wird dort erzählt.
Die Geschichte ist dort zu lesen,
jeden Tag in unsrer Welt.
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Charaktergalerie
Charaktere aus Nan-eldúne
Charaktere aus Nan-elmoth
Dorathail (Landesgäste in Nan-elmoth)
Con-Impressionen